Manfred Teil I

Lieber Herr Tagebuch,

ganz neu und frisch aus dem Handel schreibe ich meine Gedanken in Sie hinein.
Noch Heute Morgen lagen Sie im Buchhandel. Und während ich so herumstöberte sah ich es: ein Wunderwerk Gottes, eine Meisterleistung der Natur, ein Kunstwerk, voller Poesie und Frohsinn.
Dann wand ich mich vom Spiegel ab und erblickte Sie. Sie sehen ganz nett aus, auch wenn die Querstreifen Sie ziemlich dick machen.
Ich höre auf den wohlklingenden Namen Manfred und habe stolze 12 Jahre meines Lebens in der schönsten Stadt der Welt verbracht, dem Aushängeschild Deutschlands. Ich lebe in Greffen.
Ich muss sagen, dass ich zu meinem Unwohl jeden Tag in die nahe Stadt Harsewinkel reisen muss um in einer Bildungsanstalt meinen Horizont zu erweitern. (Als ob das bei meinem Intellekt noch von Nöten wäre.)
Aber wenn ich damit die Lehrherren beglücken kann, bitte…
Ach so, wie konnte ich nur vergessen ihnen meine Hobbies vorzustellen:
Natürlich interessiere ich mich hauptsächlich für Naturwissenschaften und
Mathematik, obwohl mir auch wohl die Ahnenforschung zusagt.
Der werte Herr Herr Steinhaufen brachte mich auf die Idee, Ahnenforschung zu
betreiben, und wie soll ich sagen. Das Ergebnis ist unglaublich. Mein
Urururgroßvater war niemand geringeres als Günter Katztinski. Ich gehe davon aus,
dass Sie, werter Herr Tagebuch, schon davon gehört haben, schließlich war er der
Begründer des Klubs der Freunde unnötiger Sachen und der Wanneeikler Sangesknaben, die international Erfolge einheimsen.
Da staunen sie nicht schlecht, Herr Tagebuch, gell? Ich denke, bei ihrem gelben
Papier waren ihre Vorfahren Käseblätter aus dem Jahre 1850. Hahaha. Welch göttlichen Humor ich doch besitze. Ich bin immer wieder selbst überrascht. Ein Käseblatt … gelbes Papier, vortrefflich. Hach, ich bin einfach ein Genie.
Nun gut, ich stehe nicht in der Absicht, ihre Gefühle zu verletzen, werter Herr
Tagebuch. Aber Käseblatt, herrlich.
Ich bemerke soeben, dass ich vom Thema abschweife. Ich wollte, doch von einem Leben erzählen, doch, oh weh, es ist bereits später Abend, aber nun gut, vertage ich den ausführlichen Bericht eben auf Morgen. Nur soviel vorweg: Mein Leben ist brillant, unvergleichlich, vollkommen und schier unfassbar himmlisch.
Zu tiefst ergeben,
Manfred

>>>Mehr von Manfred gibt’s in der nächsten Salatblattausgabe!

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