„Ohne die Beatles wären wir nicht hier. Das ist sicher.“

Molotov Jive kommen aus Schweden, sie sind unter Deutschlands Indie-Myspace Mädchen bereits bestens bekannt, ob wegen der Musik oder der äußeren Erscheinung der Anfangzwanziger – das ist nicht ganz sischer. Tatsache ist, dass es sie auf ihrer großen Tour vom 31.10. bis zum 19. 11.2007 auch ins AMP in Münster getrieben hat, wo sie gelassen unsere Fragen beantwortet haben, obwohl sie vor dem ersten Konzert der Tour an dem Abend doch ziemlich aufgeregt waren…

Nachdem wir es tatsächlich geschafft haben, ein Interview mit unserer Lieblingsband zu arrangieren (Myspace sei Dank) trafen wir uns am 31. Oktober, also an Halloween vor der Show im Amp in Münster. Da die Vorband Helicopter im Stau stand (langes Wochenende in NRW :) ), zögerten sich die Vorbereitungen wie der Soundcheck hinaus, sodass die Zeit, die für die Interviews eingeplant war knapper bemessen war als uns angekündigt wurde. Vor uns hatten noch zwei andere Mädchen von einem Internetportal (www.raw-investigations.com) ein Interview mit der Band und um halb acht waren wir dann dran und konnten unsere neu entwickelten (englischen!) Fragen gleich an Anton Annersand und Anders Wennberg austesten.

Wir: Hej, erstmal danke, dass wir das Interview machen können. Unsere erste Frage ist, ob es einen großen Unterschied zwischen deutschen und schwedischen Fans gibt?

Anders: Nun ja…. Anton: Ich glaube, es gibt da einen Unterschied, und zwar sprechen die deutschen Fans deutsch. (allgemeines Gelächter). Und wir haben erfahren, dass die Fans in Deutschland mehr umherhüpfen und lauter sind als schwedische, was wir mögen. Und in Schweden gibt es einen Altersunterschied, in die Clubs kommt man erst ab 18 rein, also ist das Publikum in Deutschland allgemein jünger.

Wir: Okee, und was erwartet ihr von heute Abend?

Anton: Es ist das erste Konzert der Tour, wir sind alle ziemlich aufgeregt und hoffen auf eine gute Show. Wir sind voller Energie und wollen zeigen wer wir sind und warum wir hier sind.

Wir: Was ist eurer Meinung nach die beste Rockstar- Attitude?

Anders: Rock. Attitude?

Anton: Gentle but firm. (Gelächter)* Nun ja, die perfekte Einstellung eines Rockstars ist so zu sein, wie man ist, und zwar wie man wirklich ist, und sich nicht um das zu kümmern was die Leute über dich denken. Und dass man seine Träume lebt und erfüllt, ohne dass so was wie Scham und Peinlichkeit dabei im Weg stehen. Man muss den Leuten mit Respekt begegnen, aber man sollte nicht jeden Scheiß hinnehmen. Das ist wichtig glaube ich. Aber der perfekte Rockstar ist auch eigentlich der perfekte Mensch…hahaha

Wir: Und wie würdet ihr eure Attitude beschreiben?

Anders: Genau so! Anton: Ganz genau so. Haha, nee, wirklich. Wir wollen mit den Leuten kommunizieren und ihr Leben verbessern. Das ist unsere Lebensmission quasi.

Wir: Okee, wann glaubt ihr, sollte eine Band in den Ruhestand treten, hätten die Stones schon aufhören sollen, eurer Meinung nach?

Anton: Ja, hätten sie, 1975. Weil sie jetzt nur noch ein Coverband von sich sind. Aber wir haben noch viel Energie und so was, aber wenn es uns keinen Spass mehr macht und wir niemandem außer uns selbst mehr zuhören, ich denke, dann sollten wir aufhören. Man sollte niemals nur Musik machen um Geld zu verdienen, was glaube ich viele alte Bands machen. Geld sollte nicht das Ziel sein.

Wir: Und warum glaubt ihr, gibt es so wenige Frauen in Bands?

Anton: Ich denke immer, dass wenn Männer oder Jungs unsere Rock’n’Roll Show sehen, denken sie, dass sie auch eine Band gründen müssen und Mädchen denken, dass sie die Band lieben und ihnen Zuneigung zeigen müssen. Jungs wollen wie die Band sein und Mädchen eher die Erfahrung machen, die Band zu sehen oder so. Sie sind eher Fans… Es gibt aber auch viele gute Frauen im Rock’n’Roll.

Anders: Im Moment werden es auch mehr.
Anton: Es war immer schon eine Männer-dominierte Welt. (die Jungs sollten grün werden^^)

Anders: So ist es schwer sich inspirieren zu lassen. Aber man muss

Anton: Ja, es gibt mehr männliche Role-Models. Also, weißt du…

Anders: Man muss irgendwo anfangen…

Anton: Ja, aber Jungs neigen dazu eine Band zu gründen und Mädchen neigen dazu eine Band zu lieben. (jaa, wir haben es verstanden!!!)

Wir: Oder irgendwas dazwischen… Nun, ihr seid eine schwedische Band. Glaubt ihr, es ist ein Vorteil für euch aus Schweden zu kommen nachdem Bands wie Sugarplum Fairy, Mando Diao, die Cardigans und Co das Augenmerk der deutschen Musikfans nach Schweden gelenkt haben? Anton: Also Schweden hatte immer schon eine Kultur mit richtig guten, richtig großen Bands. Wir sind in dem Wissen aufgewachsen, auch als kleine Band aus Schweden Erfolg haben zu können. Aber die Tatsache, dass wir schweeeeedisch sind, ist nicht sehr also…es ist unser „Erbe“ aber ich glaube, auch wenn wir aus Italien oder so kommen würden, würde unsere Musik genauso klingen wie jetzt. (überlegt) Ich weiß, wir bekommen Aufmerksamkeit, weil wir mit Freunden von uns getourt haben, wie Sugarplum Fairy und so. Aber Schweden war immer schon eine gute Umgebung für Musik und das ist warum es dort so viele junge Bands gibt.

Wir: Stimmt es denn, dass schwedische Schüler ein Instrument lernen müssen?

Anton: Ja man muss Flöte lernen. „Blockflöte“ (auf deutsch) Aber wir haben eine gute staatliche Musikerziehung.

Anders: Ja, und man kann auch E-Gitarren und Schlagzeug und solche Rockinstrumente lernen…und nicht nur Geigen und so was.

Anton: Die lokale Regierung ermöglicht es dir, für wenig Geld ein Instrument zu lernen. Das ist sehr wichtig, so haben wir es auch gelernt.

Wir: Lass uns über euer Album sprechen. Wie würdet ihr es in -sagenwirmal- 3 Sätzen beschreiben?

Anton: In drei Sätzen? Ich würde es als das Tagebuch einer Jugendlichen beschreiben. Es ist auch stark über unsere Heimatstadt und was wir erfahren haben, als wir erwachsen geworden sind. Und wie wir in der kleinen Stadt ziemlich isoliert waren und wir hatten nur….oh, das sind mehr als 3 Sätze (Gelächter) aber wir hatten nur Musik. Es war die einzige Sache, die wir tun konnten um uns auszudrücken wie wir wollten. Die Platte ist hauptsächlich über die Isolation und die Frustration und dass man irgendwo hin will. Das kann man auf der Cd hören und das ist auch der Grund dafür, dass so viele junge Leute die Platte mögen. Sie erkennen sich selbst in den Texten und du willst sozusagen Rache gegen deine Heimatstadt üben…ja.

Wir: Und ist Valentines day über eine bestimmte Person?

Anton: Äh, jeah.

Wir : Kannst du uns die Geschichte erzählen oder ist sie zu privat?

Anton: Die Geschichte ist wirklich, dass du aufwachst und merkst, dass du eine gute Gelegenheit verpasst hast. Dass du das Herz von jemanden gebrochen hast, an einem besonderen Tag. Und ja, das steht alles im Text, wenn man den liest, weiß man was passiert ist. Wenn ich dir jetzt nen Namen sage, weißt du ja eh nicht, wer das ist, also es ist darüber Fehler zu machen…

Wir: Das nächste Album, wird das besonders anders? Anton: Nee, es wird nicht sehr anders (höhö), es wird noch mehr wie wir sein.

Anders: Wir haben uns entwickelt, wir sind älter geworden.

Anton: Ja, wir haben Erfahrungen. Wir haben so viel getourt, das Album wird im Februar in Japan veröffentlicht und so. Die Texte sind etwas düsterer als das letzte mal.

Anders: Ich mag das.

Anton: Ich weiß nicht, warum, das so ist. Es ist, weil man denkt, etwas wird so und so, und dann ist es ganz anders :) geworden… Das Leben, das man hat, ist nicht das, was man sich erhofft hat. So bevor wir unser erstes Album veröffentlicht haben, dachten wir, wenn wir etwas aufgenommen haben, wars das. Aber jetzt fühlt es sich so an, als würde alles erst beginnen!

Wir: Was ist denn euer Lieblingslied auf eurer Platte?

Anton: Ich glaube: „hold me tight like a gun“ mag ich am meisten.

Wir: Und von allen Songs auf der Welt? Anton: Ich wette „Strawberry Fields Forever“ von den Beatles …was würdest du sagen?

Anders: Nun ja…ich würde eigentlich etwas Schwedisches nehmen. Kennt ihr Håkan Hellström? Er hat sehr schöne Stücke. Ich kann jetzt nicht eins nennen, aber ihn würde ich nehmen.

Anton: Der beste Song der Welt ist immer der beste Song der Welt für DICH. Das Lied muss zu dir sprechen.

Anders: Es ist wie ein Tagebuch. Du musst dich selbst darin wieder erkennen können. Es ist dasselbe mit uns, wir haben auch andere Bands denen wir zuhören, Lieder in denen wir uns wieder erkennen können!

Wir: Und was ist eurer Meinung nach das schrecklichste Lied, das je geschrieben wurde?

Anders: Nun ja… Anton: Hey Baby von Dj Ötzi steht ganz unten auf der Liste! (Gelächter) ….. Songs, die geschrieben wurden, um damit Geld zu verdienen und nicht um etwas zu erzählen! Das sind die schlimmsten Songs!

Wir: Nun, wir gehen davon aus, ihr mögt die Beatles. Was glaubt ihr, wie wäre die Welt ohne die Beatles, ohne die Stones, ohne die Smiths….?

Anton: Nun ja, ohne die Beatles hätten wir weder die Rolling Stones noch die Smiths. Ohne die Beatles hätten wir eine ganz andere Welt. Sie haben die Pop und Rock Musik, wie wir sie heute kennen, sozusagen erschaffen. Ich denke, ohne die Beatles hätten wir keine wirkliche Rockmusik! Das ist meine Meinung. Aber man weiß nie, was sonst gekommen wäre, denke ich…Ohne die Beatles wären wir nicht hier. Das ist sicher!

Wir: Könnt ihr ein bisschen Deutsch sprechen?

Anders: Kleines!

Anton: Ich ssehe ein rrote tür und ich möchte sse swaarz maalen! (Lachen)

Wir: Könnt ihr auch ein deutsches Kinderlied singen??

Anton: Mein Hutt der hatt drei ecken?! …. Sollen wir das singen?

Wir: Jaaa!! Nachdem die beiden uns das Lied ssehr schön und zu unserer Freude auch nicht ganz fehlerfrei und mit tollem Akzent vorgesungen haben, gabs natürlich ordentlich Applaus. Das quittierten die Jungs dann mit einem „Dankeschön“ ….“Biiitteschön“… auf Deutsch, wohlgemerkt. Dann erfuhren wir noch, dass Anders das Lied in der Schule gelernt hat und Anton es von ihm abgeschaut hat. Kurz darauf sagte Anton noch, was Johann immer sagt, wenn er ein deutsches Mädchen trifft: „ Ich habe Ssauerkrraut in meine Lederhoßen!“, wovon er übrigens nicht wusste, was das heißt. Wir konnten es auch nicht so wirklich übersetzen, was heißt schon Sauerkraut auf Englisch? Auf schwedisch ist es surkål, wie Anders dann erklärte. Dann erfuhren wir, dass Antons schwedisches Lieblingskinderlied „Ne monden Vandra“ oder so ist, was er uns dann nach einigem Überreden auch vorgesungen hat. Anders schien seine Meinung aber wohl nicht zu teilen …. Nachdem Anton uns nun noch seine neue Gitarre gezeigt hatte, ging die Befragung weiter:

Wir: Singt ihr politische Songs?

Anton: Nein, wir singen nichts Politisches. Ich bewundere Leute, die ihre politische Meinung vertreten.

Anders: Ich denke, das gehört nicht in Musik.

Anton: Einige Menschen sind politisch, andere nicht. Ich möchte mit der Musik nicht meine politische Meinung verbreiten. Ich denke, Politik verändert die Art der Musik. Sie ist dann eine Möglichkeit, Leute dazu zu bringen, das Gleiche zu denken wie du. Und es ist doch etwas Gutes, dass Menschen dagegen sein können. Nein, ich schreibe keine politischen Texte.

Wir: In Ordnung, Da ist noch etwas, was wir gerne wissen würden, und zwar: Was ist eurer Meinung nach die unnötigste Sache der Welt?

Anton: Ich weiß nicht, es ist so unwichtig, ich denke, da kenn ich es gar nicht?!

Anders: Curling ist nicht wirklich wichtig.

Anton: Stimmt Curling ist wirklich nicht wichtig für mich.

Anders: Vielleicht nicht DAS Unwichtigste, aber… Johann kommt rein, macht irgendwas und geht wieder.

Anton (voll süß): Nächste Frage, bitte.

Wir: Wenn mal eben so eine nette Fee vorbeischneien würde und ihr drei Wünsche frei hättet, was wäre das?

Anton: Für immer glücklich zu sein und die Erde von Verschmutzung zu befreien und …

Anders: Einen Ferrari!

Anton: Ja, einen Ferrari….Nein, das geht doch nicht, wegen der Verschmutzung! Nun ja, mmh….

Anders: Ich würde aber Ferrari sagen.

Anton: Ich wünsche mir einen Tiger als Haustier, der alles tut, was ich will! Das würde einen großen Wunsch erfüllen Und außerdem würde ich gerne in der Zeit zurückreisen können und mich selber besuchen als ich so 15 Jahre alt war!

Wir: War das eine gute Zeit, als du so alt warst?

Anton: Ich wünsche mir, mich in dem Alter sehen zu können, als der, der ich jetzt bin. Dann würde ich mir erklären, dass ich mir keine Sorgen machen muss, weil alles in Ordnung kommt. Es wäre auch interessant, was ich denken würde, wenn ich mich früher als ich so jung war, als der gesehen hätte, der ich heute bin. Ob ich enttäuscht wäre, oder glücklich…

Wir: Lasst uns über eure Jugend sprechen…

Anton: Wir sind noch jung! (das kommt ja auf den Blickwinkel an ;)

Wir: Ich meine, als ihr 12/13 wart, wolltet ihr immer Rockstars werden?

Anders: Eigentlich war mir der Fußball wichtiger!

Anton: Ich wollte mich immer schon kreativ ausdrücken, ich habe darüber nachgedacht Schriftsteller zu werden oder vielleicht Schauspieler. Ich wusste, ich wollte eine Art Fußabdruck machen, ich wollte etwas hinterlassen, damit sich die Leute an mich erinnern, das war mir immer wichtig.

Wir: Okej, eine Frage noch: Könnt ihr den Bremsweg eines Autos mit 50km/h ausrechnen?
Anders: Ähm ich denke mal…14 Meter?

Wir: 40!

Anders: 14!

Wir: 40!

Anton:40?

Wir: Jaaa!

Anton: Oh, das ist lang….

Anders: Yeah, ich hab noch nie darüber nachgedacht.

Wir: Ja…das war jetzt auch schon fast unsere letzte Frage. Jetzt beantwortet bitte noch zwei Sätze für uns und dann wars das. Danke für das Interview! Dann überreichten wir unsere Rosen, die wir als kleine Aufmerksamkeit mitgebracht hatten. Sie waren leider schon etwas trocken geworden, aber die Jungs haben sich trotzdem sehr gefreut. Eine knappe Stunde später dann ging das Konzert los und nachdem die Vorband Helicopter schon eine sehr gute Show abgeliefert hatte, betraten dann Molotov Jive die Bühne und gaben alles. Ihre Nervösität war nicht zu bemerken, aber mit ihrer groß angekündigten Energie brachten sie das 200-mannstarke Publikum zum Pogen und Springen – nicht zum Kreischen wohl gemerkt. Es gab zwar mehr Mädchen als Jungs, die auch alle der Anziehung des Sängers unterlagen, doch haben sie sich nicht albern benommen und haben wie bereits von der Band prophezeit viel gehüpft. Denn das tun deutsche Fans nun mal. (bN + TT)

Molotov Jive im Netz:
www.molotovjive.se

www.myspace.com/molotovjive

Und unser Video Interview gibt es auf www.myspace.com/salatblatt zu bewundern.